Über „Eins ist keins“ und andere schlaue Wahrheiten

Eine Warnung vorab: Diesen Artikel schreibe ich mit schlechter Laune. Vielleicht lösche ich ihn wieder, bevor ich veröffentliche. Vielleicht mache ich mir aber auch die Mühe, noch ein paar Bilder zu suchen und finde vielleicht sogar ein paar Eltern, die mir sagen, dass es ihnen genau so geht: Wer kennt sie nicht, die schlauen Sätze, die man mit Kind immer wieder zu hören bekommt. Als werdende Eltern von frischen Eltern, als frische Eltern von erfahrenen Eltern, als einfache Eltern von mehrfachen Eltern und natürlich zu jeder Zeit von Verwandten, Nachbarn oder anderen Kinderspezialisten, deren Weg man gerade zufällig kreuzt. Meistens gut gemeint, selten gut zu gebrauchen.

Der hat bestimmt Hunger
„Achso, Babys brauchen was zu essen? Und ich frage mich seit Tagen was der hat.“ … wäre eigentlich eine passende Antwort auf die Expertenmeinungen von Passanten, wenn das eigene Baby (in aller Öffentlichkeit!) mal weint. Wenn es nicht Hunger hat, dann ist ihm kalt, heiß, langweilig, alles zu viel… und wenn das alles nicht passt, dann sind es definitiv die Zähne…oder der Mond. Ich weiß, die Anwesenheit eines weinenden Kindes ist schwer zu ertragen und man hat einfach das unmittelbare Bedürfnis zu helfen.

… oder einfach mal ein Croissant, zum Frühstück, im Bett, ha!

Tipp: ein emphatisches Lächeln reicht völlig aus und ist viel mehr das, was man in einer solchen Situation wirklich braucht. Alternativ geht natürlich auch konkrete Hilfe. Bei der Gelegenheit vielen Dank unbekannterweise an die Mama in der Flugzeugreihe hinter mir, die mir während einer etwas turbulenten Landung einfach einen Schnulli vorreichte. Eigentlich nimmt unser kleines Reisebaby keinen aber in dem Moment hat er wahre Wunder gewirkt. Es kann so einfach sein.

“Woisch mit zwoi…” und eins ist keins
Hört man immer wieder gern von Mehrfacheltern. Aber was genau soll das eigentlich heißen? Dass sich mit einem Kind das Leben nicht komplett verändert? Dass man einfach so weiter machen kann wie bisher? Wohl nur dann, wenn man sonst auch nichts anderes vorhatte. Oder spielt da vielleicht ein kleines bisschen Neid mit? Diesen Satz hört man nämlich vornehmlich und etwas gehässig von Mehrfachmüttern. Ich finde, beim ersten Kind kann man die Ausrede noch gelten lassen, dass man keine Ahnung hatte, was auf einen zukommt. Wer sich aber beim zweiten oder dritten Kind beschwert, der hätte es sich vielleicht nochmals überlegen sollen.

Tipp: Es gibt auch viele meiner Mehrfach-Mami-Freundinnen, von denen ich so etwas noch nie gehört habe. Für alle anderen: Spart es euch. Wenn schon nicht das zweite, dritte oder vierte Kind, dann zumindest einen solchen Kommentar. Jedes Kind ist anders, jede Mutter, jeder Vater, jedes Leben. Und ein Kind auf keins zu reduzieren, ist einfach nicht nett und auch nicht richtig.

Och kuck mal! 
Ich weiß, Kinder können so süß sein. Und sie sind so fotogen. Und sie machen so lustige und clevere Sachen. Und sie sehen so süß aus in ihren Designerklamöttchen (ach das, das war gar nicht teuer haha). Es ist nur so schade, dass das meistens nur die eigenen Eltern interessiert. Schade um jedes Foto, um jedes Kuck mal und um jedes selbst gebastelte Geschenk, das dann doch auf weniger Begeisterung stößt als man sich das als Eltern vielleicht erhofft hatte. Könnte daran liegen, dass es für andere (ob mit oder ohne Kind) auch noch interessantere Themen gibt, ungefähr jedes.

Tipp: Kinder einfach mal Kinder sein lassen, ohne Anspruch an Performance, Brillanz oder extra Portion Cuteness. Man muss nicht Jesper Juul frei zitieren können um zu erkennen, dass kleine Kinder weder schöne Kleidung noch täglich frühkindliche Förderung (natürlich ausschließlich mit Sachen aus Holz) brauchen, um glücklich zu sein.

Wie kann man nur
… stillen in der Öffentlichkeit, mit Kind fliegen, essen gehen, nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs sein, Spielzeug aus Plastik haben, Kinder Brezeln essen lassen (Ihr wisst schon, giftige Lauge und so), Kinder schimpfen, Kinder nicht schimpfen… es ist wirklich das einfachste auf der Welt, sich als Eltern ein Augenrollen von völlig Unbeteiligten zu verdienen. Zugegeben, auch ich wundere mich beizeiten über das Verhalten anderer Kinder bzw. eher deren Eltern. Es ist einfach so bequem und lenkt von der eigenen Unzulänglichkeit ab, andere zu verurteilen. Am liebsten sind mir die, die bei jedem Mucks böse kucken und wenn’s doch nicht so wild ist das ach so brave Kind loben.

Tipp für beide Seiten: einfach mal locker machen. Bei jedem Anflug von Ärger liebe ich diesen Tipp: Stellt euch vor, Ihr seid von einem Mantel aus warmen Licht umgeben. Wirkt wahre Wunder! Ansonsten habe ich auf das nächste „Wie kann man nur?“ eigentlich nur eine Antwort: Ich kann und ich werde!

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